Orthopädieschuhtechnik
Während das
- Handwerk des Schuhmachers die Basis ist,
- das medizinische Wissen gelernt werden kann,
- und die technischen Innovationen immer mehr möglich machen,
verlässt sich die Orthopädieschuhtechnik auch auf das Gespräch, das Angreifen und Zuhören und die dazugehörige langjährige Erfahrung.
was wirkt wie und wo?
Eine kleine Leistungsschau der Orthopädieschuhtechnik:
Technik und Digitalisierung in der Orthopädieschuhtechnik
In der Orthopädieschuhmacher-Werkstatt profitieren wir von vielen technischen Entwicklungen in vielen Fachbereichen...
Die Orthopädieschuhtechnik ist eine Herausforderung
- an Können, Wissen und Erfahrung und
- an die Verantwortung gegenüber dem Produkt und den Menschen.
Mobilität
Die eigene Bewegungsfreiheit ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Um diese zu erhalten oder zu erlangen erstellen wir individuelle und innovative Konzepte, die eine selbständige und schmerzfreie Mobilität unterstützen.
Orthopädie
Die Orthopädie ist die „Wissenschaft von der Erkennung und Behandlung von Schäden und Fehlhaltungen des menschlichen Bewegungsapparats“
Als Orthopädieschuhmacher ist es unsere Aufgabe, angeborene oder erworbene Probleme des Bewegungsapparates –speziell der unteren Extremitäten - auszugleichen.
Weiterbildung
Neueste Kenntnisse über Schädigungen und Krankheiten und deren Versorgung und das Wissen über neue Techniken und Materialien machen ständige Weiterbildung notwendig.
Erfahrungen kann man nur mit der Zeit erwerben, und werden auch von Generation zu Generation weitergegeben.
Talent und handwerkliche Fertigkeit sind eine Grundvoraussetzung für genaues Arbeiten um ein gutes Produkt zu erstellen.
Menschlichkeit:
Natürlich könnten wir auch rein technisch unsere Arbeit erledigen.
Aber
- die Zeit für ein Gespräch,
- einen Austausch an Erfahrungen und Wünsche,
- vielleicht einmal einfach nur zuhören,
auch das gehört für uns dazu, und es zahlt sich aus,
denn nur so können unsere Produkte
über die reine Funktionalität hinaus, auch wirklich passen und angenommen werden.
Was wirkt wie und Wo?
stützen, Führen oder Entlasten
Die Orthopädieschuhtechnik kann durch Stützen, Führen oder Entlasten wirken.
Eine kleine Leistungsschau der Orthopädieschuhtechnik: Und die meisten Elemente lassen sich auch problemlos in Ihren Schuh einbauen!
Die Fußsohle ist die Auftrittsfläche des Körpers am Boden. Damit ist sie die Basis in der Statik beim aufrechten Stehen und Gehen. Das Körpergewicht übt Druck auf die Fußsohle aus.
Wenn man bedenkt, dass man in der Bewegung (beim Gehen oder Laufen) in vielen Phasen nur mit einem Fuß den Boden berührt, und dabei meist nicht mit der ganzen Fußsohle, kann man sich vorstellen, wie viel Gewicht und somit Druck der Fuß und seine Knochen und Bänder aushalten muss:
Bei jedem Schritt mindestens das ganze Körpergewicht, teilweise verteilt auf nur einige Quadratzentimeter.
Dieser Druck und verschiedene andere Faktoren tragen dazu bei, dass die Bänder, die den Fuß in Form halten, nachgeben können. Es bilden sich Fehlstellungen.
Damit der Fuß diesem hohen Druck besser standhalten kann, ist es sinnvoll, den Fuß zu unterstützen und damit die Auftrittsfläche zu vergrößern, Stellen unter überbelasteten Regionen zu Betten oder Führungselemente anzubringen, um ein optimales Gangbild zu erreichen:
Stützen & Entlasten
Von der Fußsohle her kann der Fuß unterstützt werden, indem im Längsgewölbe oder im Quergewölbe eine entsprechende Stütze eingebaut wird. Zusätzlich bietet die Abstützung hinter den Mittelfußköpfchen eine gute Entlastung, Eine Unterstützung der Mittelfußköpfchen zwei bis vier bringt die Gelenke im Ballenbereich wieder in die richtige Stellung.
Speziell die Ferse, der Vorfuß aber auch andere Regionen an der Fußsohle können besonders druckentlastet werden. Durch die gezielte Weich- oder Hohllegung einer Partie kann auch eine totale Druckfreiheit erreicht werden. Dies ist speziell bei offenen Stellen am Fuß, nach Operationen oder Amputationen wichtig.
Führen & Entlasten
Die Rolle
Das Anbringen einer Rolle bewirkt eine Korrektur des Schrittverlaufes und/oder eine Bewegungseinschränkung und dadurch die Entlastung in einem Gelenk, oder einer Gelenkgruppe. Speziell bei Gelenksarthrosen ist so eine Veränderung eine Erleichterung, da Schmerzen reduziert werden.
Je weiter hinten der Scheitelpunkt der Rolle liegt, desto weiter hinten wirkt diese auf ein Gelenk. Liegt der Scheitelpunkt der Rolle etwa knapp hinter dem Großzehengrundgelenk, wirkt die Rolle entlastend auf die Großzehe, liegt er knapp vor der Ferse, bleibt also nur eine kleine Standfläche am Schuh,entlastet sie das obere Sprunggelenk oder das Knie
Dämpfender Keil
Ein dämpfender Keil im Absatz bewirkt eine Entlastung der Ferse, des Sprunggelenkes, des Knies und der Hüfte bei jedem Schritt – wirkt aber auch noch weiter auf die Wirbelsäule.
Versteifungen
Mit einer Versteifung in der Einlage oder an der Schuhsohle kann ein Gelenk dann vollkommen still gelegt werden, und ein arthrotischer Schmerz verhindert werden.
Sohlenranderhöhung
Des Weiteren bietet sich auch die Möglichkeit, mit einer Sohlenranderhöhung eine Druckverlagerung von innen nach außen oder von außen nach innen zu erzwingen. Diese kann auf das Sprunggelenk genauso wirken, wie auf das Knie.
Absatz- und Sohlenverbreiterung
Eine zusätzliche Verbesserung der Statik und der Gangsicherheit wird durch eine Absatz- bzw. eine Sohlenverbreiterung bewirkt. (speziell bei Lähmungen, Spasmus, Gleichgewichtsstörungen,…)
Einseitige (links oder rechts) Sohlenerhöhung
Eine einseitige (links oder rechts) Sohlenerhöhung wirkt sich auf die Stellung des Beckens aus und kann einen Beckenschiefstand und eine Skoliose korrigieren.
Schaftänderungen
Eine Führung oder Versteifung ist auch im Schaft möglich, um ein Wegkippen des Fußes nach innen oder außen (Knickfuß, Klumpfuß) zu verhindern. Bei Lähmungen machen Versteifungen im Schaft und Führungen mittels Rollen und Sohlenverbreiterungen ebenfalls Sinn.
Polsterungen und Freilegungen
Auch Polsterungen und Freilegungen sind im Schaftbereich möglich und können Schmerzen oder offene Stellen im Knöchelbereich, am Fußrücken oder im Wadenbereich verhindern.
Druckschutzorthesen & Zehenkorrekturschienen
Kleine Druckschutzorthesen tun speziell im Zehen- und Ballenbereich ihre Wirkung und können entlasten, Schmerzen nehmen und offene Stellen zum Heilen bringen.
Technik und Digitalisierung in der Orthopädieschuhtechnik
Die grundsätzliche Technik des Schuhhandwerks hat sich eigentlich seit dem Mittelalter nicht verändert: Das Schuhoberteil aus Leder wird über den Leisten gezwickt und damit angeformt - Holzsohlen oder Ledersohlen wurden dann auf den Schuh montiert (genäht oder genagelt)
Die Art und Weise und die Variationsmöglichkeiten der Arbeitsschritte haben sich durch die
vielen technischen Entwicklungen im letzen Jahrhundert aber sehr verändert
Thermoplastische Materialien sind verformbar und halten dann die, unter Wärme und Druck angepresste, Form auch im ausgekühlten Zustand.
mechanik
Schleifmaschinen, Nähmaschinen, computerunterstützte Schärfmaschine, Vakuumpresse, Heißluftfön etc. erleichtern die Arbeit, müssen aber auch richtig verwendet und gewartet werden.
chemie
Die vielleicht größte Entwicklung des 20. Jhd
war die Herstellung von Kleb-, und Kunststoffen:
Klebstoffe ersetzen die aufwändige Näharbeit im Bodenbau
und machen die Schuhe leichter und flexibler.
Gummi und Kunststoffe finden als Sohlen ihre Verwendung, dadurch wurden die Schuhe wiederum leichter und passen sich besser dem Untergrund an.
Kunststoffversteifungsmaterialien die oft über den Leisten laminiert werden, werden zu passgenauen Stützelementen, die als Schiene oder als Einbauelement in den Schuhen Verwendung finden.
Digitale Computertechnik
Seit einigen Jahren ist das Schlagwort Digitalisierung in aller Munde – auch in der Orthopädieschuhtechnik.
Wir versuchen die Technik dort zu nützen, wo sie unsere Arbeit unterstützt und die Ergebnisse auch unseren Qualitätsanforderungen gerecht werden.
In der Dokumentation und Wissensspeicherung:
- Gute Dokumentation, die neben Grunddaten auch Arbeitsabläufe, Konstruktionsdetails und Überlegungen zur Funktionsweise der Produkte umfasst, stellt sicher, dass das Wissen und die Erfahrung auch der nächsten Generation zur Verfügung stehen wird. Die digitale Erfassung und Speicherung hilft uns, diese Daten langfristig, sicher und auf kleinem Raum unterzubringen.
In der Konstruktion:
- Mittels digitalem Schnittprogramm - zum Zeichnen unserer Schuhschnittmuster – konstruieren wir unsere Schuhmodelle für die Herstellung von orthopädischen Schuhen. So können wir, nach etwa 3 Jahren Lernphase, unsere gesamte Schuhkollektion in digitaler Form sinnvoll und (meist auch) zeitsparend dem entsprechenden Leisten am PC anpassen und auch weiterentwickeln.
In der Produktion:
CUBIX ist ein System, das es ermöglicht, Einlagen in der für uns gewünschten Qualität digital herzustellen. So haben wir nun den Schritt in die digitale Einlagenfertigung gemacht:
- · Mit unserem 3 D- Scanner wird der Fuß digital und genau vermessen - eine statische Bestandsaufnahme
- · Um zu erkennen, wo funktionell – also in der Bewegung – Ihr Hauptproblem liegt ist es notwendig, zusätzlich eine umfassende Fußuntersuchung durchzuführen
- · Die Einlage wird geplant und wir überlegen, welche orthopädischen Elemente gesetzt werden sollen – um zu stützen, zu entlasten, zu führen, …
- · im Programm von CUBIX wir die Einlage entsprechend dieser Daten von unseren Meistern modelliert – trotz moderner Technik ist das Wissen und die Erfahrung um die Füße eine wichtige Grundlage, um eine gute Versorgung zu gewährleisten.
- · Mit dem CUBIX 3D Drucker wird Ihre Einlage dann produziert – Neu zu früheren Fräs- und Druckverfahren: verschiedene Härtegrade und Dämpfungsfunktionen können dabei übergangslos eingebaut werden. Gedruckt wird bei uns im Geschäft.
- · Wenn die Einlage den Drucker verlässt, wird noch einmal kontrolliert, ob alles so ist, wie es geplant wurde – auch wir Meister könnten Fehler in der Umsetzung machen 😊
- · Wenn alles passt, können die Einlagen probiert werden – bei unseren gedruckten Einlagen führen wir eine Probe durch, bevor sie dann mit einer Deckschicht überzogen werden.
· Nun können Ihre Einlagen die geplante Wirkung entfalten.